Geschichte Tulln

Die Geschichte der Stadt Tulln an der Donau
Es gibt wohl kaum eine Stadt in Niederösterreich, die wie Tulln an der Donau auf eine mehr als 2000jährige Geschichte zurückblicken kann. Schon zur Römerzeit war hier das Reiterkastell Comagena und eine Einheit der römischen Donauflottillen lag an dieser Stelle vor Anker. In den letzten Jahren der Römerherrschaft wird auch von einem Besuch des hl. Severin und der wunderbaren Rettung der Stadt vor den Barbaren berichtet.

Bild: Zeichnung des Römerlagers Comagena

Bereits 791 wird Tulln als städtische Siedlung genannt. 985/991 traten hier die Adeligen der jungen Marktgrafschaft zusammen und hoben dadurch Österreich aus der Taufe. Auch wurden die Land- und Gerichtstage durch Jahrhunderte in Tulln abgehalten. Im 11. Jh. war die Stadt die Residenz der Babenberger und wurde als "Hauptstadt des Landes" bezeichnet. Auch im Nibelungenlied wird sie als Treffpunkt Kriemhilds und Etzels erwähnt.

Bild: Fresko im inneren des Karners

Bis ins 14. Jahrhundert behielt die Stadt ihre wirtschaftliche, politische und kulturelle Bedeutung. Zu Ende des Mittelalters litt sie am Verlust der wirtschaftlichen Position (Verlegung der Handelswege) und an kriegerischen Auseinandersetzungen. Schließlich verarmte Tulln sogar zu einem Ackerbürgerstädtchen. 1683 rückt Tulln nochmals kurz in den Mittelpunkt der europäischen Geschichte als Sammelplatz des christlichen Entsatzheeres zur Befreiung Wiens von den Türken.

Bild: Ehemaliges Kapuzinerkloster


Erst der Bau der Franz-Josefs-Bahn mit den Donaubrücken für Bahn und Straße zu Ende des vergangenen Jahrhunderts führte zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte. Vor allem nach dem Abzug der sowjetischen Besatzung, ab 1955 entwickelte sie sich zu einem kleinen "Wirtschaftswunder".

Um 1970 wurden zahlreiche Orte mit der Stadt in der Großgemeinde Tulln vereinigt, wodurch die Bevölkerung auf über 10.000 Menschen anstieg. 1986 bewarb sich die Stadt um die Funktion der nö. Landeshauptstadt und konnte in der Folge zahlreiche landeshauptstädtische Funktionen erlangen.

Tulln genießt heute nicht nur als Wirtschaftszentrum, blühende Geschäftsstadt, Schulstadt und Universitätsstandort, sondern auch als Rosen- und Messestadt einen hervorragenden Ruf, der weit über die Landesgrenzen hinausgeht.

Historische Entwicklung der Stadt Tulln
  Umland seit dem Neolithikum besiedelt
1. Jh. Gründung des römischen Kastells "Comagenis"
5. Jh. Verfall des Kastells
9. Jh. Wiederbesiedelung, erste Nennung Tullns: "Tullina", 859
12./13. Jh. Donauhandel; Landesversammlungen seit 1081; Pfarrgründung 1014; Landrichter; Stadterweiterung und Mauerbau; Stadtrecht 1270; romanische Stadtpfarrkirche 1170; Karner 1250; Frauenstift 1290
14. Jh. Jahrmärkte; Gotisierung der Pfarrkirche
ab 15. Jh. Niedergang zum Ackerbürgerstädtchen durch die Verlagerung der Handelswege; Bedrohung durch die Türken 1529; Verlust an Bedeutung aufgrund von Hochwässern, Bränden; Bevölkerungsverlust und Verschuldung. 1683 Sammlungsort des Entsatzheeres für Wien
19. Jh. Langsamer Aufschwung: Garnison (Pioniere) 1827; Bezirksgericht 1849; Eisenbahn und Donaubrücke 1870; Sparkasse 1871; Volksbank 1873; Bürgerschule 1891; Bezirkshauptmannschaft 1892; Bevölkerungswachstum (1800: 1.500 EW, 1900: 4.000 EW); Abbruch der Stadtmauern ab 1861 und Stadterweiterung. Tulln wurde Ende dieses Jahrhunderts mit Lokalhandel und Gewerbe Zentrum des aufstrebenden, noch landwirtschaftlich geprägten Tullnerfeldes
20. Jh. Beginn der Industrialisierung mit der Zuckerfabrik 1936; erste höhere Bildungseinrichtung (Gymnasium 1932). Der 2. Weltkrieg forderte neben vielen Opfern auch 87 Zivilopfer beim Bombenangriff am 11. Dezember 1944, zugleich auch die größten Zerstörungen der Stadtgeschichte. Am 8. April 1945 Sprengung der Donaubrücke und Besetzung der Stadt durch die Rote Armee. Am 13. Juni 1955 Abzug der Russen.
1986 Bewerbung um die Funktion der nö. Landeshauptstadt, in der Folge Erlangung zahlreicher landeshauptstädtischer Funktionen: Agrarwesen, Messewesen, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz
 

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